5. Apr, 2021Export-See, Hamburg, Import-See

Die Havarie der „Ever Given“  im Suezkanal und die dadurch Ende März 2021 verursachte einwöchige Sperrung einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt hat die ohnehin schon seit Beginn der Corona-Pandemie angespannte Situation der weltweiten Container-Linienverkehre leider noch weiter verschärft.

Seit über einem Jahr sind insbesondere im Fahrtgebiet zwischen Europa und Asien massive Frachtraumverknappungen und regelmäßige Schiffsverspätungen festzustellen. Zeitgleich haben die Reedereien in den meisten Fahrtgebieten drastische Seefrachterhöhungen durchgesetzt. Begründet werden die Ratenerhöhungen seitens der Reedereien mit verteuerten Treibstoffpreisen, einer ausgedünnten Abfahrtsdichte der Liniendienste („Blank Sailings“) sowie der meist einige Wochen im Voraus ausgebuchten Containerschiffe.

Auch wenn allmählich der Rückstau von über 400 Schiffen an beiden Seiten des Suezkanals abgebaut wird, werden Schiffsverspätungen bei den Container-Linienverkehren sowohl für Export-Verladungen in Richtung Asien & Ozeanien als auch für Importe aus Asien wohl noch Monate andauern. Derzeit rollt eine gigantische Frachtwelle auf die europäischen Häfen, aber auch auf die Häfen in Asien zu. Es wird nicht möglich sein, alle in etwa zur selben Zeit ankommenden Schiffe nun in etwa zur selben Zeit zu löschen. Zudem fehlen bald schon wieder Hunderttausende Container im Handel zwischen China und Europa, da der Verkehr viel langsamer verläuft, als Logistiker es planen konnten

Zu den Kapazitätsengpässen und Schiffsverspätungen kommt noch ein Ungleichgewicht an verfügbarem Containerequipment in vielen Regionen der Welt hinzu; mit schwerwiegenden Folgen für die Spediteure und deren Kunden. Dabei ist die Zuverlässigkeit und Stabilität maritimer Lieferketten von entscheidender Bedeutung für die gesamte europäische Wirtschaft.

Zusätzliche Frustration entsteht bei den Speditionen und deren Kunden, weil sie in einen flexiblen Notfall-Planungsmodus gezwungen werden, um auf die sehr kurzen Ankündigungen der Reedereien zur Verfügbarkeit von Containern und Schiffsraum reagieren zu können. Die Kosten für die Speditionsbranche und deren Kunden sind beträchtlich: Sie entstehen durch Umbuchungen von Sendungen und stets neue Gebühren und Aufschläge (Surcharges) seitens der Reedereien. Bleibt zu hoffen, dass die Reedereien der verladenden Wirtschaft zeitnah wieder ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stellen.

Die anhaltenden Überlastungen und Verzögerungen bei der Abfertigung von Seeschiffen in den meisten europäischen Seehäfen führen zudem zu massiven Kapazitätsengpässen.  Seit einigen Wochen sehen sich zum Beispiel die großen Containerterminals im Hamburger Hafen gezwungen, die Anlieferung von Exportcontainern auf ein kleines Zeitfenster vor der Ankunft des jeweiligen Schiffes zu limitieren. Dazu haben wir weiter unten in einem Exkurs weitere Details aufgeführt.

Die Seefracht-Teams in allen NAVIS Häusern sind mit allen Reedereien täglich im engen Kontakt, um die Ladung unserer Kunden weltweit zuverlässig und möglichst termingerecht zu disponieren und informieren unsere Kunden regelmäßig über den aktuellen Status jeder Lieferung.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte gern an Ihren gewohnten Ansprechpartner bei der NAVIS.

 

Exkurs:

Container Terminals in Hamburg – Beschränkte Anlieferung von Exportcontainern

48-Stunden Regelung der Container Terminals CTA und CTT

Die Terminals CTT und CTA haben für per LKW angelieferte Exportcontainer die 48-Stunden-Regel eingeführt . Das heißt CTT und CTA akzeptieren die Annahme von Exportcontainer erst 48 Stunden vor Ankunft des jeweiligen Schiffes. Diese Regel gilt bis auf weiteres.

72-Stunden Regelung des Container Terminals CTB

Das Terminal CTB hat für per LKW angelieferte Exportcontainer die 72-Stunden-Regel eingeführt . Das heißt das CTB akzeptiert die Annahme von Exportcontainer erst 72 Stunden vor Ankunft des jeweiligen Schiffes. Diese Regel gilt ab 01.02.2021  bis auf weiteres.

72-Stunden Regelung des Container Terminals Eurogate 

Das Terminal Eurogate hat für per LKW angelieferte Exportcontainer die 72-Stunden-Regel eingeführt . Das heißt das Eurogate akzeptiert die Annahme von Exportcontainer erst 72 Stunden vor Ankunft des jeweiligen Schiffes. Diese Regel gilt ab 16.02.2021  bis auf weiteres.

 

Eine Liste der zugelassenen Schiffsanläufe wollen die Terminalbetreiber tagesaktuell versenden. Sollten Container für Schiffe angeliefert werden, die nicht auf der Liste stehen, werden die LKW-Fahrer am Interchange der Terminals abgewiesen.

Durch diese kurzfristige Maßnahme der Containerterminals ist das Zeitfenster für die rechtzeitige Anlieferung von Exportcontainern zum Anlieferschluss des jeweiligen Schiffes extrem reduziert und zum Teil kaum zu bewerkstelligen.

Zudem müssen wir leider feststellen, dass einige Reedereien aufgrund der Schiffsverspätungen Lagergelder für Exportcontainer abrechnen und sich hierbei auf wetterbedingte höhere Gewalt berufen.

Die Disponenten der NAVIS werden in enger Absprache mit unseren Kunden versuchen, die Positionierung der Container optimal so zu steuern, dass das Zeitfenster für die Anlieferung der Container eingehalten werden kann.

 

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