24. Juli, 2026Land-Verkehre

Eine aktuelle Studie der European Clean Trucking Alliance (ECTA) zeigt: CO₂-differenzierte Mautsysteme können den Umstieg auf emissionsfreie Nutzfahrzeuge wirtschaftlich attraktiv machen und wichtige Anreize für die Flottenerneuerung setzen.

Gleichzeitig wird deutlich, dass die Lenkungswirkung nur dann greift, wenn die notwendigen Rahmenbedingungen vorhanden sind. Dazu gehören vor allem ausreichend verfügbare Fahrzeuge, eine leistungsfähige Lade- und Tankinfrastruktur sowie verlässliche Investitionsbedingungen für Transportunternehmen.

Besonders wichtig erscheint dabei die Frage, wie die zusätzlichen Mauteinnahmen verwendet werden. Werden diese gezielt in Infrastrukturprojekte und die Unterstützung der Transformation reinvestiert, kann die CO-Maut zu einem wirksamen Instrument für die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs werden.

Bei NAVIS beobachten wir diese Entwicklung mit großem Interesse. Die Studie bestätigt, dass die Transformation der Logistikbranche nur im Zusammenspiel von politischen Anreizen, wirtschaftlicher Machbarkeit und dem Ausbau der notwendigen Infrastruktur gelingen kann.

Nachhaltige Logistik braucht Anreize – aber vor allem die richtigen Voraussetzungen für ihre Umsetzung.

 

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Weitere Informationen und Einschätzungen zu der Studie haben wir hier für Sie zusammengefasst:    

Die European Clean Trucking Alliance (ECTA) hat eine Studie zu den Auswirkungen CO2-differenzierter Straßenbenutzungsgebühren auf die Wirtschaftlichkeit emissionsfreier Lkw (Zero-Emission Trucks, ZETs) veröffentlicht. Die Untersuchung vergleicht die Umsetzung in Frankreich, Deutschland, Polen und Spanien und bewertet, wie unterschiedliche Mautansätze die Gesamtbetriebskosten schwerer Nutzfahrzeuge sowie die Anreize zur Flottenerneuerung beeinflussen:

  • Nach Einschätzung der Studie eröffnet die überarbeitete Eurovignetten-Richtlinie den Mitgliedstaaten erhebliche Spielräume zur Förderung des Umstiegs auf emissionsfreien Straßengüterverkehr. Die überarbeitete Eurovignetten-Richtlinie (Wegekostenrichtlinie) verpflichtet die EU-Staaten, die Lkw-Maut von einer zeitbasierten Vignette auf eine streckenabhängige Abrechnung umzustellen und an die CO₂-Emissionen der Fahrzeuge anzupassen.

 

  • Für eine batterieelektrische, fünfachsigen Fahrzeugkombination werden in den erwarteten Umsetzungsszenarien jährliche Mauteinsparungen zwischen 11.000 und 23.000 Euro gegenüber einem vergleichbaren Dieselfahrzeug ausgewiesen. Bei vollständiger Mautbefreiung, so die Autoren, könnte die Einsparung auf 37.000 bis 53.000 Euro jährlich steigen. Als Referenzbeispiel für eine bereits um gesetzte CO2-Differenzierung wird unter anderem Deutschland, Dänemark und die Niederlande genannt.

 

  • Aus Sicht des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik e.V. bestätigen die Ergebnisse einen zentralen Zusammenhang: CO2 differenzierte Mautsysteme können die Gesamtbetriebskosten emissionsfreier Nutzfahrzeuge spürbar senken und damit einen Beitrag zur Flottenerneuerung leisten. Die deutschen Erfahrungen seit Einführung der CO2-Bemautung im Dezember 2023 zeigen jedoch auch die Kehrseite: Solange marktreife Fahrzeuge, verlässliche Ladeinfrastruktur und ausreichende Netzanschlussleistungen fehlen, wirken CO2-Aufschläge für die überwiegende Zahl der Speditionen und Transportunternehmen zunächst als reine Kostenbelastung – ohne dass ein Umstieg praktisch möglich wäre. Mautanreize entfalten ihre Lenkungswirkung nur dann, wenn die betrieblichen Voraussetzungen für den Wechsel tatsächlich gegeben sind.

 

  • Besondere Bedeutung kommt daher der Verwendung der Mauteinnahmen Die Studie beziffert die in den untersuchten Ländern durch CO2-basierte Bepreisung generierten Erlöse auf jährlich 1,1 bis 4,3 Milliarden Euro. Der DSLV fordert seit Einführung der CO2-Mautkomponente eine konsequente Zweckbindung dieser Mittel für den Ausbau der Lade- und Tankinfrastruktur sowie für Programme zur Unterstützung der Flottenerneuerung. Ohne eine solche Rückführung in die Branche bleibt die CO2-Bepreisung ein reines Belastungsinstrument statt eines Hebels für die Transformation.

 

  • Die Studienergebnisse stützen zudem die Position von CLECAT, dem europäischen Dachverband der Speditions- und Logistikbranche, wonach eine CO2-differenzierte Lkw-Maut einen wirksamen, marktbasierten Anreiz für den Hochlauf emissionsfreier Nutzfahrzeuge setzen kann. Diese Einschätzung teilt der DSLV grundsätzlich – mit dem klaren Vorbehalt, dass Anreizmechanismen und der Ausbau der sogenannten enabling conditions (Ladeinfrastruktur, Netzkapazitäten, Förderkulisse) zwingend Hand in Hand gehen müssen. Eine isolierte Verschärfung der Kostenseite ohne parallelen Infrastrukturausbau würde insbesondere kleine und mittlere Transportunternehmen überfordern und die Akzeptanz der Verkehrswende gefährden.