
Das extreme Niedrigwasser auf Rhein, Elbe und Donau in diesem Jahr hat gezeigt, wie stark wenige Zentimeter nutzbarer Wassertiefe über Transportkapazität, Kosten und Produktionsplanung entscheiden. Derzeit sinken die Wasserstände wieder schnell und eine Erholung in Europa ist erst ab Oktober zu erwarten.
Auch in Südamerika spielen die Wasserstände der Flüsse für die Schifffahrt eine sehr relevante Rolle. Die Tiefe der Fahrrinnen an ihrer niedrigsten Stelle ist dabei das entscheidende Kriterium. Die Wasserstraße „Paraná-Paraguay“ mit dem Río Paraná fließt von Brasilien über Paraguay und Argentinien bis nach Uruguay (siehe Karte unten). Auch hier sind die Wasserstände abhängig von den Regenfällen. Die massiven Abholzungen in den tropischen Regenwäldern im Amazonasbecken zeigen auch Auswirkungen auf die Niederschlagshäufigkeit und -dauer in der Mitte und des Südens des Kontinents. Die Flusssysteme führen oft nicht mehr genügend Wasser, um die großen durch die Schifffahrt genutzten Wasserstraßen zu speisen.
In Argentinien hat man beschlossen, sich unabhängiger von den natürlichen Einflüssen zu machen. Denn insbesondere auf die „Paraná-Paraguay“ ist der Export des Landes angewiesen. Wie die bekannte Elbvertiefung soll das südliche Kernstück der Wasserstraße vertieft werden. Für 25 Jahre wird ein Konsortium aus belgischen und argentinischen Unternehmen für Ausbaggerung, Signaltechnik, Pegelmessung, Unterhalt und Modernisierung zuständig. Die geplanten Vertiefungen sollen stufenweise erfolgen. Die zusätzliche Tiefe wirkt sich unmittelbar auf den Betrieb aus. Panamax-Schiffe können derzeit oft nicht vollbeladen fahren. Die geplante Vertiefung würde diese Problematik wesentlich reduzieren. Alle wirtschaftlichen Beteiligten könnten mehr Spielraum lassen. Reeder, Terminals und Verlader könnten damit besser und wirtschaftlicher arbeiten, nicht nur in Argentinien, sondern auch die internationalen Lieferketten.
Insgesamt muss man festhalten, dass weltweit die durch den Klimawandel stark unter Druck stehenden Wasserstraßen keine dauerhafte Erholung zu erwarten haben. Wir Spediteure als Architekten des Transports müssen uns zunehmend darauf einstellen.
Bild Quelle: Wikipedia / Juan Martín Alfieri Porqueres


