
Grenzüberschreitende Wertschöpfungsmodelle in Nordamerika verlieren einen Teil jener Planbarkeit, auf der viele Investitions- und Lieferkettenentscheidungen der vergangenen Jahre beruhten. Zu diesem Schluss kommt die GTAI Germany & Trade & Invest in einer Analyse zu den Lieferketten von Unternehmen in den USA, Kanada und Mexiko:
- Vereinfacht dargestellt lautete die nordamerikanische Arbeitsteilung lange Zeit: Rohstoffe und Energie aus Kanada, industrielle Fertigung in Mexiko, Absatz im US-Markt. Die Realität ist natürlich komplexer. Viele Investitionen beruhten jedoch auf derselben Annahme. Waren und Vorprodukte sollten innerhalb Nordamerikas verlässlich und zu kalkulierbaren Bedingungen bewegt werden können. Auch deutsche Unternehmen gingen davon aus, dass Nordamerika als integrierter Produktionsraum funktioniert. Zusammen stehen die USA, Kanada und Mexiko für 12 Prozent der deutschen Warenexporte.
- Die USA verweigerten zum 1. Juli 2026 die vorgesehene Verlängerung des United States-Mexico-Canada Agreement (USMCA) bis 2042. Das Abkommen bleibt zwar in Kraft, wird künftig aber jährlich überprüft. Für Unternehmen wächst dadurch die Unsicherheit. Unklar ist, welche Handelsregeln in Nordamerika künftig gelten und wie belastbar Investitionsentscheidungen langfristig bleiben.
- Durch die Zollpolitik der gegenwärtigen US-Administration müssen sich Unternehmen darauf einstellen, dass die USA selbst gegenüber engen Handelspartnern kurzfristig Druck über Zölle, Ursprungsregeln und Marktzugang aufbauen. Produktion, Beschaffung und Vertrieb in Nordamerika werden deshalb stärker nach Zielmärkten getrennt.
- Unternehmen bewerten ihre Lieferketten nunmehr neu, woraus neue Risiken, aber auch Chancen entstehen können.So behandelt ein deutscher Landmaschinenhersteller Kanada und die USA künftig nicht mehr als einen gemeinsamen Absatzraum. Maschinen für den kanadischen Markt werden künftig nicht mehr aus den USA, sondern aus Deutschland geliefert. Für US-Kunden erfolgt die Produktion dagegen weiterhin in den USA.
- Die USA bleiben der größte Absatzmagnet Nordamerikas. Gerade deshalb wirkt die Zollpolitik der US-Regierung weit über die USA hinaus. Wenn US-Kunden ihre Lieferketten stärker an lokaler Wertschöpfung, Herkunftsnachweisen oder politischen Risiken ausrichten, betrifft das auch deutsche Lieferanten ohne eigene Niederlassung in Nordamerika.
- Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Nicht nur Original Equipment Manufacturer (OEM), sondern auch Tier-1- und Tier-2-Zulieferer achten stärker auf Lieferfähigkeit, regionale Präsenz, Ersatzteilversorgung und die Herkunft kritischer Komponenten.
Weitere Informationen über die Neuordnung der Lieferketten in Nordamerika finden Sie auf der Website der GTAI Germany & Trade & Invest hier.


