
Der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik veranstaltete am 01. und 02. Oktober 2026 in Hamburg seine jährliche Mitgliederversammlung. Kombiniert wurde das Meeting mit der Jahres-Seefrachtkonferenz des DSLV. Als Ehrengast wurde dabei der langjährige Vorsitzer des Verein Hamburger Spediteure (VHSp) Herr Walter Stork begrüßt.
Neben seinen zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen wie Honorargeneralkonsul der Volksrepublik Bangladesh agierte der Vollblutspediteur Walter Stork jahrzehntelang als Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender der NAVIS AG in Hamburg. Vom aktuellen Vorstand der NAVIS AG war Herr Jan-Michael Beyer bei der Mitgliederversammlung vertreten und freute sich unter anderem über den regen Gedankenaustausch mit Walter Stork.
Erste DSLV-Seefrachtkonferenz in Hamburg – Märkte, Infrastruktur und Lieferketten unter dauerhaft veränderten Rahmenbedingungen:
Am 1. Oktober 2026 fand im Opernloft im Alten Fährterminal Altona in Hamburg unter dem Titel „Next Wave Seefracht – Kurs halten zwischen politischen und wirtschaftlichen Machtblöcken“ die erste Seefrachtkonferenz des DSLV Bundesverband Spedition und Lo-gistik statt. Mit mehr als 200 Anmeldungen stieß die Premiere auf große Resonanz und machte deutlich, wie groß der Bedarf an einem eigenen fachlichen Forum für die aktuellen Entwicklungen in der Seefracht ist.
- Pay-Andres Lüders, Vorsitzer des DSLV-Fachausschusses Seehafen- und Seeschifffahrtsspedition, übernahm die An- und Abmoderation der Veranstaltung. In seiner Begrüßung stellte er heraus, dass sich Seefracht längst nicht mehr allein zwischen Abgangs- und Empfangshafen bewege. Geopolitische Konflikte, neue Handelsbarrieren, volatile Märkte und Frachtraten, veränderte Warenströme, hohe Kosten und regulatorische Anforderungen bestimmten zunehmend das Tagesgeschäft. Die zentrale Frage sei daher, wie Lieferketten unter diesen Bedingungen resilient und zugleich wettbewerbsfähig organisiert werden können.
- Das Programm war bewusst in zwei Teile gegliedert. Zunächst sollten politische, marktseitige und handelspolitische Entwicklungen das „Koordinatensystem“ für die anschließende Diskussion bilden. Dr. Christoph Ploß MdB, Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, gab einen politischen Impuls. Stefan Verberckmoes, Senior Analyst bei Alphaliner, analysierte die internationalen Seefrachtmärkte. Bernd Lange MdEP, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, ordnete die Entwicklungen aus europäischer handelspolitischer Sicht ein. In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Murat Bayram, Präsident des Verbands der deutschen Metallhändler und Recycler, Thorsten Dornia, Vorsitzender des Verein Bremer Spediteure, Jeroen Eijsink, Vorstands-vorsitzender der Hamburger und Logistik AG, Jens Roemer, Senior Vice President der FIATA und Joerg Sonne, Senior Managing Director Region North Europe von Hapag-Lloyd unter Moderation von Prof. Dr. Jan Ninnemann, Hamburg School of Business Administration, die konkreten Auswirkungen auf Reedereien, Häfen, Speditionen und Verlader.
Fazit:
Aus der Sicht des VHSp hat die erste DSLV-Seefrachtkonferenz sehr deutlich gezeigt, dass sich die Rahmenbedingungen der Seefracht strukturell verändert haben. Die Unternehmen sollten nicht darauf setzen, dass mit dem Ende einzelner Krisen automatisch die frühere Planbarkeit zurückkehrt.
Geopolitische und handelspolitische Entwicklungen werden künftig ebenso zum normalen Bestandteil der Transportplanung gehören wie kurzfristige operative Störungen. Für die Speditionsunternehmen kommt es deshalb zunehmend darauf an, ihre Handlungsfähigkeit zu sichern. Dazu gehören belastbare Informationen, hohe Datenqualität, alternative Transportmöglichkeiten und verlässliche Partner ebenso wie qualifizierte Mitarbeiter und moderne IT-Systeme.
Für die Hamburger Speditionswirtschaft bleiben aus unserer Sicht insbesondere drei Themen von besonderer Bedeutung:
- Die Modernisierung und ausreichende Kapazität des Hamburger Hafens und seiner Hinterlandanbindungen müssen mit deutlich höherer Geschwindigkeit vorangetrieben werden.
- Kosten aus Störungen müssen innerhalb der Lieferkette transparent und verursachungsgerecht verteilt werden.
- Zugleich sollten die Spediteure ihre Rolle als unabhängiger Organisator, Integrator und Berater komplexer internationaler Lieferketten weiter stärken.
Die starke Resonanz auf die erste DSLV-Seefrachtkonferenz zeigt zugleich, dass ein regelmäßiger fachlicher Austausch zwischen den unterschiedlichen Beteiligten der maritimen Lieferkette sinnvoll ist. Die auf der Konferenz angesprochenen Themen werden uns daher auch in den kommenden Monaten in unseren Fachausschüssen sowie im Austausch mit Politik, Hafenwirtschaft, Reedereien und anderen Marktpartnern weiter beschäftigen.
Foto v.l.n.r: Walter Stork, Jan-Michael Beyer.
Foto Copyright: NAVIS (JMB)


