17. Okt, 2017 | NAVIS Segellisten

Unsere neueste NAVIS Segelliste für die Kalenderwochen 41 bis 47/2017 finden Sie ab sofort zum kostenlosen Download hier.

Sollten Sie den Bezug per Postversand wünschen, wenden Sie sich gerne an unseren Mitarbeiter Herrn Sascha Kaminski (Tel. 040 – 789 48 – 288 / Kontakt)

Thema des Deckblattes der Segelliste ist dieses Mal:

Die PEKING

Ein Viermaster, eine stählerne Bark, 115 Meter lang, einer von nur noch vier erhaltenen Flying-P-Linern auf der Welt. Ein Stück Hamburg, 1911 bei Blohm & Voss für die Reederei von Ferdinand Laeisz gebaut. Die Jungfernfahrt nach Valparaíso, Chile. Und dann immer wieder Hamburg-Chile und retour, 34 Mal rund Kap Horn, die Laderäume voll mit 4.700 Tonnen Salpeter. Alles mit Wind- und Menschenkraft, Schwerstarbeit für die Besatzung, nur 35 Seeleute. Eins der modernsten Segelschiffe in einer Zeit, als die Dampfschiffe bereits fast alle Fahrtgebiete rund um den Globus für sich erobert hatten – nur in der Salpeterfahrt konnten sich die Flying-P-Liner noch einige Jahrzehnte lang behaupten.

Dann der Verkauf nach England, Umbau zum Internatsschiff ARETHUSA, vier Jahrzehnte ohne substanzielle Pflege. Dann eine überraschende Wendung: 1976 voll aufgetakelt als Hingucker auf der 200-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeit, wieder unter ihrem alten Namen und – geradezu provozierend – mit Heimathafen Hamburg am Heck. Doch auch das South-Street Seaport-Museum in New York bekam die Alterungsschäden nicht in den Griff. Das Holzdeck verfaulte, das Regenwasser lief innen an den Bordwänden herunter und zernagte den Rumpf. Dann kamen die Hamburger, erst eine Handvoll Idealisten, dann zwei pfiffige Bundestagsabgeordnete, schließlich wurde auch der Senat überzeugt: PEKING soll das zentrale Schauobjekt eines neu zu gründenden Deutschen Hafenmuseums werden. Für diese Vision wurde Geld in vorher nicht vorstellbaren Mengen besorgt. Dann die Rückholung der altersmüden PEKING huckepack im Dockschiff COMBI DOCK III. Und endlich, am 2. August 2017, hat die Bark nach 85 Jahren wieder Elbwasser unterm Kiel. Viele – auch historische – Schiffe begleiteten sie auf ihrer Schleppfahrt zur Peterswerft in Wewelsfleth, tausende Schaulustige säumten die Deiche. Jetzt wird der Viermaster komplett neu aufgebaut, vom Rumpf bis zu den vier stählernen Masten, projektiert vom neuen Eigentümer, der Stiftung Hamburg Maritim. Nach erfolgter Fertigstellung wird die PEKING übernommen vom Deutschen Hafenmuseum. Mehr als nur eine Hamburgensie – ein schwimmendes Zeitzeugnis für Welthandel und Globalisierung, Made in Hamburg.

Copyright Fotos: Joachim Kaiser (Stiftung Hamburg Maritim), Jan Sieg
Copyright Text: Stiftung Hamburg Maritim